- Was ist zu tun?
- Nicht nur Lesben und Schwule sind von
rechtem Terror, rechter Demagogie und in einer rechtsgerichteter
Diktatur als Gruppen, als Menschen und in unserer Lebensart gefährdet.
Nun kann man natürlich dem Erstarken rechter Kräfte
zusehen, wie ein Kaninchen gebannt auf die rechtsradikale Schlange
starren und hoffen, dass es anderen gelingt, das "Verhängnis"
aufzuhalten.
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- Noch ist unsere Szene wer. Unsere Bedeutung
ist in den letzten Jahren derart gestiegen, dass selbst bürgerliche,
konservative und teilweise auch rechte Lesben und Schwule sich
öffentlich äußern, ohne Nachteile zu befürchten.
Wir sind nicht hilflos und wir sind nicht wehrlos.
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- Wir wollen mit unseren Kräften
und Möglichkeiten dazu beitragen, dass der rechte Vormarsch
nicht gelingt. Am 09.03.01 hat sich bei einer Veranstaltung zm
Thema "Rechte Gewalt" der ROSA LÜSTE
eine Arbeitsgruppe von Lesben und Schwulen aus Frankfurt und
Wiesbaden konstituiert, die im Rhein-Main-Gebiet wirksam werden
möchte und dazu weitere MitmacherInnen aus dem Rhein-Main-Gebiet
sucht.
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- Als Grundlage betrachten wir vorerst
das Referat "Rechte Gewalt" von Joachim mit seinen
Vorschlägen. Demnach gibt es für uns Möglichkeiten,
in folgenden Feldern zu arbeiten:
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- Aus den Beiträgen der politischen Parteien, die sich
gegen rechte Gewalt äußern, ist zu erkennen, dass
"Gewalt" an sich als das Problem angesehen wird und
nicht die gesellschaftliche Rechtfertigung von Gewalt in vielen
Bereichen. "Gewalt" wird jedoch überall irgendwie
gerechtfertigt, man braucht nur noch den entsprechenden ideologischen
oder weltanschaulichen Freibrief dazu, und alle Hemmungen scheinen
zu fallen. So weit her scheint es mit der Zivilisation, der Achtung
vor dem Mitmenschen und seinen Lebensinteressen und Rechten nicht
zu sein. Dies aber nur nebenbei.
Die politischen Rezepte gegen Gewalt sind dann auch dort angesiedelt,
wo es um pädagogische, soziale Eingriffe geht, womit man
eben gegen das "Phänomen" der Gewalt angehen will.
Wie kann man aber irgendeinen Zartsinn, Verständnis gegenüber
Andersartigen und Humanität von solchen Menschen erwarten,
mit denen selbst gar nicht so zart umgegangen wird, gegenüber
denen kein Verständnis entwickelt wird und deren Leben und
gesellschaftliches Umfeld überhaupt keine Humanität
erkennen lässt.
- Mir (Joachim) geht es ja selbst so, dass ich, wenn ich große
Sorgen habe, wenig Zartgefühl entwickeln kann, wenn sich
jemand mit einer kleinen Sorge an mich wendet.
Im Autoradio (HR1) höre ich, wie man die zunehmende Jugendgewalt
an den Schulen bekämpfen will. Die Lehrer sollen zusammen
mit den Eltern nämlich z.B. auf die Wortwahl der Kinder
achten, damit verächtlichmachende und herabwürdigende
Wörter nicht verwendet werden. Das ist vielleicht schon
in vielen Einzelfällen deeskalierend. Aber denken die Kinder
dann auch nicht mehr verächtlichmachend oder herabwürdigend?
Es scheint mir bei diesem unpolitischen, an dem Gewaltphänomen
orientierten Ansatz nur um eine Korrektur an der Fassade zu gehen.
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- In der taz vom 05.03.01 äußert sich Jörg
Fischer, ehemaliger NPD-Kader, in einem Interview zu den Ausstiegshilfen
der Bundesregierung für Rechtsradikale. Ihnen einen sozial
abgesicherten Weg in eine Karriere zu ebnen, bringe gar nichts,
denn bei den Führern der Rechtsradikalen handle es sich
gar nicht um sozial Benachteiligte, sondern im Gegenteil. Man
müsse die Ideologie in ihren Köpfen erreichen, meinte
er. Daraus folgt der 1. Ansatz.
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- Wie er den Ausstieg geschafft habe? Da er schwul sei, habe
er bei den Nazis zwar sexuelle Kontakte gehabt, diese aber verheimlichen
müssen. Ihm habe die existierende Schwulenszene mit dem
offenen schwulen Auftreten dazu gebracht, seine Ideologie zu
überdenken.
Von einem ähnlichen Ausstieg kenn ich selbst berichten.
Ich wurde konservativ erzogen, religiös und in einer christlicher
Pfadfinderschaft, und so war dann mein Weltbild sehr konservativ
mit Sympathien nach weiter rechts. Es war dies ein wirklich versponnenes
rechtes Weltbild, was mir gleichzeitig miefige Heimatgefühle
vermittelte. Mein Ausstieg aus diesen Denkschablonen funktionierte
über die sehr viel persönliche Freiheiten versprechende
sogenannte Alternativszene, die außerdem damals noch solidarische
zwischenmenschliche Wärme spendete. Daraus folgt der 2.
Ansatz.
Daraus uns aus dem oben aufgezeigten Denkansatz schließe
ich, dass wir, wenn wir wirklich etwas gegen rechts tun wollen,
auf zwei Ebenen wirksam werden könnten und sollten.
1. Ansatz: Wir müssen die rechte Ideologie inhaltlich
ideologisch bekämpfen, und zwar kreativ und in aller Öffentlichkeit.
Es muss uns dabei vor allem um die Ideologie in den konservativen
bürgerlichen Köpfen gehen, die wir als Wegbereiter
der Nazis entlarven. Es ist tatsächlich so, dass die Eigentliche
Gefahr von den Wegbereitern der Nazis in Gesellschaft und Wirtschaft
aus-geht. Die Nazis sind ihnen eher Erfüllungsgehilfen,
auch wenn sie ihnen manchmal aus dem Ruder laufen. Aber wenn
solche Ideologien auch von sogenannten Linken vertreten werden,
dann müssen wir sie auch entlarven, hier vielleicht eher
so, dass wir sie zum überdenken der entsprechenden These
einladen, denn niemand ist davor geschützt, dass sich bei
dieser Dauerberieselung ideologische Versatzstücke in unseren
Hirnen einnisten.
2. Ansatz: Wenn wir rechtsgerichtete Leute als Kollegen
oder Verwandte usw. kennen, dann haben wir, ein persönliches
Interesse ihnen gegenüber vorausgesetzt, noch die Möglichkeit,
ihnen die Basis ihres rechten Denkens zu entziehen. Nicht durch
Konfrontation, denn in solchen Spielchen , bei denen es nicht
auf inhaltliche Richtigkeit ankommt, sind sie uns oft überlegen.
Verglichen mit einem rechten Zahn, den wir ihm am liebsten ziehen
wollen, könnte man sagen, sie haben eine harte kaum zu beschädigende
und kampferprobte Krone über ihren Zahn. Da können
wir eigentlich nicht durchdringen, denn unsere Zähne sind
da eher weich. Es geht darum, die Wurzel auflösen zu lassen,
durch die Erfahrung, dass eine andere Welt mit anderem Denken
näher an dem ist, was sie sich menschlich wünschen.
- Bgeründung:
- Ich meine ja, dass man unabhängig seiner sexuellen Identität
gegen rechts Flagge zu zeigen hat, sei es bei Demonstrationen
gegen rechts, als Zivilcourage gegenüber rechter Demagogie
oder gar rechter Übergriffe. Nicht jeder Mensch ist entsprechend
couragiert und manchmal ist es auch sehr gefährlich oder
gar völlig sinnlos, sich in Gefahr zu begeben, wenn sich
nämlich der Übergriff durch dieses mutige Verhalten
auch nicht aufhalten lässt, weil beispielsweise keine anderen
Leute in der Nähe sind, die man mit diesem demonstrativen
Verhalten ermutigen kann, auch einzugreifen.
Besonders schlimm sind aber solche Leute, die nicht zu den Schlägern
und Mördern gehören, die aber mit klammheimlicher Freude
darauf reagieren, indem sie rechtfertigende Gründe liefern.
Es ist schon erstaunlich, auf welche grundsätzliche Erwägungen
manche Leute kommen, wenn man über einen Übergriff
berichtet, beispielsweise der Ausländer habe sich ja auch
provozierend verhalten, es gäbe ja auch zu viele Ausländer
und die seien öfter als Deutsche kriminell, sie würden
überall bevorzugt und wollten sich nicht anpassen usw.
Und genau solche Argumente hört man in unserer Szene auch,
wenn davon berichtet wird, dass ein schwuler Mann von Jugendlichen
im Park überfallen, ausgeraubt und zusammengeschlagen worden
ist, beispielsweise, was will ein so alten Mann denn auch mit
so jungen Leuten, was hat der überhaupt im Park verloren
oder Ähnliches.
- Selbstverständlich ist das Anwachsen mit rechter Ideologie
gerechtfertigter Gewalt auch gefährlich für Lesben
und Schwule. Egal, welche Bevölkerungsgruppe es trifft,
dort befinden sich auch Lesben und Schwule. Aber ist es wichtig,
sich zu vergewissern, dass es auch Lesben und Schwule trifft,
um gegen gewaltsame Übergriffe zu sein? Spezielle schwulenfeindliche
oder lesbenfeindliche Ideologien gehen oft mit einer stärkeren
Rollenfestlegung für Frauen und Männer einher. Genau
genommen sind schon die fixierten Frauen- und Männerrollen
eine Gefahr für uns, weil der Normbruch geahndet wird, was
trotz aller Verstellungskünste unsere Leute besonders treffen
kann.
-
- Wenn also bei Verhaltensweisen von Menschen von "gesund"
und "krank" die Rede ist, dann geht es hier um Nazi-Ideologie,
die auch solche Menschen im Kopf haben können, die sich
selbst nicht für Nazis halten. Für uns ist es allerdings
relativ egal, wofür sie sich halten, weil ihre Demütigungen
oder Übergriffe unabhängig von ihrer Selbsteinschätzung
für uns unerträglich sind. Auch ausländische Jugendliche,
die Schwule überfallen, begründen dies mit solchen
Argumenten. Für einen zusammengeschlagenen Schwulen macht
es keinen Unterschied, dass diese gewalttätigen rechtsgerichteten
Jugendlichen ihrerseits auch rassistisch diskriminiert werden.
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- In eigenen Reihen müssen wir deshalb jeden Moraldruck
und jedes Verlangen nach Anpassung deutlich zurückweisen.
Dieser Moraldruck kommt auch in eigenen Reihen von rechts oder
von Leuten, die ihr Coming-out noch nicht bewältigt haben
und sich noch selbst vor ihren heterogenormten Freunden rechtfertigen
müssen, weil sie selbst Homosexualität noch für
minderwertig halten. (Aus "Rechte Gewalt" von JS)
-
- Der Kampf gegen rechts geht also gegen
konservative PolitikerInnen und ihre Ideologie
der Öffnung nach rechts, weil
diese die eigentliche ideologische Gefahr darstellen. Sie sind
Wegbereiter und Steigbügelhalter einer rechten Machtergreifung,
indem sie scheibchenweise in den Medien und in ihren politischen
Handlungen den Boden dazu vorbereiten. Auch die deutschen Schwulen
haben nach dem Ende der Nazi-Herrschaft unter den Konservativen
noch besonders zu leiden gehabt.:
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- Nach dem 2. Weltkrieg und dem Terror des deutschen Nazi-Staates
war die große Freiheit für die Schwulen noch immer
nicht angebrochen. Der von den Nazis verschärfte §
175 StGB blieb weiterhin gültig, wonach jegliche männliche
homo-sexuelle Handlung unter Strafe gestellt wurde, und nicht
unter irgendeine Strafe, sondern bis zu 5 Jahren Zuchthaus. Das
Bundesverfassungsgericht urteilte am 17.12.53, dass die Rechtvorschriften
im Jahre 1935 "ordnungsgemäß erlassen und von
den Mitgliedern der Rechtsgemeinschaft hingenommen und seither
jah-relang unangefochten bestanden hätte ..." Also
war der Versuch, die männliche Homosexualität und die
männlichen Homosexuellen auszurotten, verfassungs-konform.
Auch der Hinweis eines Klägers, dass in Artikel 3 Absatz
2 des GG die Gleichberechtigung von Mann und Frau vorgeschrieben
sei und weibliche homo-sexuelle Handlungen nicht bestraft wurde
und werde, nützte wenig. "Der Grundsatz der Gleichberechtigung",
so das BVG am 10.05.57, könne "für die gesetzgeberische
Behandlung der männlichen und weiblichen Homosexualität
keinen Maßstab" abgeben, denn "auch für
das Gebiet der Homosexualität rechtfertigen biologische
Verschiedenheiten eine unterschiedliche Behandlung der Geschlechter
... Schon die körperliche Bildung der Geschlechtsorgane
weist für den Mann auf eine mehr drängende und fordernde,
für die Frau eine mehr hinnehmende und zur Hingabe bereite
Funktion hin." Anders als beim Mann würde "die
Frau unwillkürlich schon durch ihren Körper daran erinnert,
daß das Sexualleben mit Lasten verbunden" sei, was
sich darin niederschlage, "daß bei der Frau die kör-perliche
Begierde (Sexualtrieb) und zärtliche Empfindungsfähigkeit
(Erotik) fast immer miteinander verschmolzen sind, während
beim Manne, und zwar gerade beim Homosexuellen, beide Komponenten
vielfach getrennt bleiben. So gelingt der lesbisch veranlagten
Frau das Durchhalten sexueller Abstinenz leichter, wäh-rend
der homosexuelle Mann dazu neigt, einem hemmungslosen Sexualbedürfnis
zu verfallen." Was nun die Lesben anbeträfe, so weise
"der auf Mutterschaft an-gelegte Organismus der Frau unwillkürlich
den Weg ... auch dann in einem übertragenen Sinne fraulich-mütterlich
zu wirken, wenn sie biologisch nicht Mutter ist ..."
Auch eine Verfassungsklage mit der Begründung, dass durch
den § 175 StGB die freie Entfaltung der Persönlichkeit
beeinträchtigt werde, wiesen die Verfassungsrichter zurück.
Dieses Recht sei durch die verfassungsmäßige Ordnung
begrenzt, "wenn feststeht, daß die soziale Gemeinschaft
die Handlung eindeutig als im Widerspruch zu dem Sittengesetz
bestehend betrachtet, das sie allgemein als für sich verbindlich
anerkennt ... Unsittliche Gesetze gehören nie zur verfas-sungsmäßigen
Ordnung ... Gleichgeschlechtliche Betätigung verstößt
eindeutig gegen das Sittengesetz." Wer bestimmt aber, was
sittlich ist? Entscheidend sei "daß die öffentlichen
Religionsgemeinschaften, insbesondere die beiden großen
christlichen Konfessionen, aus deren Lehre große Teile
des Volkes die Maßstäbe für ihr sittliches Verhalten
entnehmen, die gleichgeschlechtliche Unzucht als unsittlich verurteilen".
Dies war die Ausgangssituation, die begleitet war von Polizeispitzeleien,
rosa Listen, in denen bei der Polizei der Homosexualität
verdächtige Personen aufgelistet waren, denn das waren ja
"potenzielle Kriminelle". Homosexuelle Männer
könnten ja irgendwann mal kriminell werden, nämlich
Sex haben, und dadurch waren sie dann Sexualstraftäter oder
Sexualverbrecher. Es gab Polizisten, die sich als Schwule ausgaben,
in den Lokalen eindeutige Angebote machten und dann die festnahmen,
die darauf eingehen wollten. Mir wurde berichtet, dass sich einige
von ihnen, die in Klappen ihre Opfer suchten, vorher einen blasen
ließen, bevor sie ihre Opfer verhafteten. (Aus "Die
Schwulenbewegung" von JS)
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- Es ist zu hoffen, dass sich Lesben
und Schwule finden, die mit uns zusammen an dieser Aufgabe arbeiten
möchten. Bei Interesse mailt uns bitte gruppe@rosalueste.de oder faxt uns: 0611/377765